Rezension: Heroes in Crisis

Vorab geht wie immer ein großes Dankeschön an Panini Comics, die das Rezensionsmaterial gestellt haben!

Inhaltsverzeichnis

[Panini Backcover]

Zuflucht in Trümmern

Die Superhelden des DC-Universums erleben so manches glorreiches Abenteuer, aber auch viele brutale Schlachten, die sie bis an die Grenze des Erträglichen führen. Sie sehe Unschuldige sterben, sind Zeugen von gewaltigen Katastrophen und erleiden schmerzhafte persönliche Verluste! Für all diese Helden in der Krise gibt es das Sanctuary, eine geheime Einrichtung, in der sie Zuspruch und seelische Hilfe erfahren! Doch dann kommt es zum Undenkbaren: mehrere der hilfesuchenden Helden werden im Sanctuary von einem Unbekannten niedergemetzelt. Superman, Batman und Wonder Woman suchen den Mörder. Die Hauptverdächtigen: ihr zeitreisender Freund Booster Gold und die irre Harley Quinn!

Review

Als reiner Leser von Paperbacks musste man länger warten, doch nun liegt Heroes in Crisis in seiner ganzen Pracht vor einem. Doch Heroes in Crisis und Autor Tom King waren zu ihrem Veröffentlichungszeitpunkt stark im Visier der Kritik. Es wurde von allen möglichen Seiten über den Inhalt geunkt und das Fandom zeigte in Form von Morddrohungen an Tom King sein hässlichstes Gesicht. Doch bei all dem Lärm seitens der Leserschaft fragt man sich natürlich, ob an dem Unmut über den Band etwas dran ist oder einige Gemüter durch das Internet ausloten wollte wo die untere Grenze des Niveaus ist. Ich jedenfalls gab Tom King durch seinen starken Mr. Miracle und Vision Run sowie seine für mich bisher ordentlichen Batman Storys einen Vertrauensvorschuss, bevor ich mich an „Heroes In Crisis“ wage.

Inhalt

Die Prämisse von Heroes in Crisis ist soweit überschaubar: Batman, Superman und Wonder Woman haben im ländlichen Amerika eine Einrichtung erschaffen in der Helden ihre mentalen Wunden und Probleme anonym aufarbeiten können. Und genau dort geschieht ein Mord an allen in dem Moment anwesenden Helden. Die Verdächtigen sind Booster Gold und Harley Quinn, die jeweils den anderen beschuldigen die Tat begangen zu haben und versuchen dies zu beweisen. Währenddessen versuchen Batman, Wonder Woman und Superman den Mord selbst aufzuklären bzw. Booster und Harley zu schnappen. Zugleich wird aber auch die Öffentlichkeit auf den Fall gebracht und verkompliziert die Sache zunehmend.

Im Groben ist damit die Handlung in etwa zusammen gefasst und Tom King hangelt sich gekonnt daran lang. Dabei bedient er sich den üblichen Genre Grenzen eines sogenannten „Whodunit“-Krimis. Man jagt mit den Protagonisten nach Indizien und entschlüsselt das Verbrechen nach und nach, Mysterium um Mysterium. Das funktioniert bei Tom King routiniert gut und hat einen absoluten beneidenswerten Lesefluss, auch wenn man sagen muss, dass King es an vereinzelten Punkten etwas zu komplex aufbaut.

Im Grunde ist dies aber nur die Trägergeschichte für etwas gänzlich anderes, nämlich um die psychische Belastung von Helden und wie damit umgegangen wird. Hier muss man King besonders loben, denn mit was für einem Fingerspitzengefühl er das Thema Mental Health, Post-Traumatische Belastungsstörungen, Depressionen und alle möglichen weiteren Facetten anpackt, ist unglaublich. Dazu gelingt es ihm jene Facette des menschlichen Lebens so gekonnt in den Kosmos von Superhelden einzubetten und ihnen so noch mehr Menschlichkeit und somit Identifikationspotential zu geben, dass man eigentlich nur staunen kann. Doch trotz all des Lobes muss man auch sagen, dass das ein gewagter Schritt war. Denn das Thema Mental Health ist aktueller denn je und auch nicht jedem zugänglich, sodass viel von der Story verloren gehen kann und damit auch der Genuss an Heroes in Crisis.

Optik

Visuell ist mit Clay Mann ein richtig feiner Zeichner am Werk gewesen. Die Zeichnungen, insbesondere die doppelseitigen Splashpages zu Beginn eines jeden Heftes, sind einfach nur der Wahnsinn. Die Zeichnungen sind detailliert, dynamisch, emotional und der Story absolut ebenbürtig. Der Panelverlauf und damit der Lesefluss ist perfekt, anders kann man es nicht in Worte fassen, und ziehen den Leser sofort ins Geschehen. Dabei wird Mann vereinzelt von Zeichnern wir Lee Weeks oder Jorge Fornes unterstützt, die einzelne Seiten übernehmen. Das wirkt im Gesamtbild aber nie zerrissen oder unpassend. Zudem muss man auch ein großes Lob an den Koloristen Tomeu Morey aussprechen, der Clay Manns großartigen Zeichnungen den notwendigen realistischen Ton gibt, den diese Story verdient.

Fazit

Sagen wir es mal so: dass man mit „Heroes in Crisis“ vielleicht nicht ganz warm wird, kann ich durchaus verstehen. Der Mix aus Krimi und psychologischem Drama mag nicht jeden ansprechen und das „Crisis“-Siegel mag vielleicht die Erwartungen bei vielen besonders hochgeschraubt zu haben. Doch ist der Band dadurch so schlecht wie er gemacht wird? Absolut nicht! Denn Tom King schöpft hier mal wieder aus dem Vollen und kreiert eine, wenn auch nicht ganz perfekte, Superheldenstory der etwas anderen Art. Und genau das ist es, was den Band empfehlenswert macht: er ist in gewisser Weise innovativ. Vielleicht nicht im Rahmen des „Whodunit“-Krimis oder eines psychologischen Dramas, aber im Genre des Superhelden-Comics definitiv und dem muss man auch Anerkennung zollen.

Wer sich also nicht scheut eine etwas andere Superheldengeschichte zu lesen, wo mal nicht eine Multiversums bedrohende Gefahr lauert, sondern das seelische Wohl der Helden im Fokus steht, sollte hier zugreifen. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Autor: Tom King

Zeichner: Clay Mann, Lee Weeks, Mitch Gerads, Trevor Moore, Jorge Fornes

Inhalt: Heroes in Crisis #1-9

Preis: 26€ (35€ für Hardcover)

Erstveröffentlichung: 24.11.2020

Format: Softcover und limitiertes Hardcover (222 Exemplare)

Seiten: 244

Bildrechte liegen bei Panini Comics Deutschland

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