Rezension: Outlaw Nation Serie

Vorab geht ein großes Dankeschön an den Dantes Verlag, der das Rezensionsmaterial gestellt hat!

Inhaltsverzeichnis

[Backcover]

Outlaw Nation ist eine ausgedehnte Familiengeschichte, die sich vor dem Hintergrund der US-amerikanischen underground-Kultur entfaltet – oder zumindest vor ihren Mythen.

Story Johnson, ein hundert Jahre alter, am und amnesiegeplagter und halbwegs geistesgestörter Groschenheftschreiber, kehrt, nachdem er 25 Jahre in Vietnam verschollen gewesen ist, nach Hause zurück. Eigentlich will er nur die verlorenen Jahre nachholen und ein paar Angehörige der legendären, überlebensgroßen Johnson-Familie wiedersehen.

Aber ziemlich viele seiner „Cousins“ sind inzwischen verschwunden. Und die, die noch leben, geben Story die Schuld daran.

Review

Der kleine Mannheimer Comic Verlag ‚Dantes Verlag‘ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Fans hierzulande mit einem Portfolio aus Amerikanischen und Englischen Nischen-Perlen zu verwöhnen. So finden sich in Dantes Programm u. a. die Comics des Samurai Hasen ‚Usagi Yojimbo‘ von Stan Sakai, die Abenteuer des Keltischen Kriegers ‚Slaine‘ von Pat Mills und Glenn Fabry, sowie die ‚Neil Gaiman Bibliothek‘, mit vielen coolen Geschichten des ‚Sandman‘-Schöpfers. (Wobei die H.P. Lovecraft/Sherlock Holmes Erzählung ‚Eine Studie in Smaragdgrün‘ ziemlich viel Aufsehen erregte und bei Fans und Kritikern in Deutschland gleichermaßen sehr gut ankam.)

Darüber hinaus veröffentlichte ‚Dantes Verlag‘ noch Arbeiten des Britischen Autors Jamie Delano, der DC Fans ein begriff sein sollte, so war er doch der erste Autor der ‚Hellblazer‘ Serie, um den Magier John Constantine, schrieb für ein paar Jahre die ‚Animal Man‘ Serie und verfasste die kultige Elseworlds Mini-Serie ‚Batman – Manbat‘. Die meisten Sachen von Jamie Delano wurden beim ehemaligen DC Imprint Vertigo veröffentlicht, so wie auch die vorliegende Serie ‚Outlaw Nation‘, die Delano mit den Kroatischen Künstlern Goran Sudzuka und Goran Parlov zwischen 2000 und 2002 schuf. Dantes Verlag veröffentlichte ‚Outlaw Nation‘ 2019/20 erstmals komplett in deutscher Übersetzung in 3 Bänden.

Inhalt

‚Ein abgefahrenes Road-Movie auf Speed‘ heißt es in einer Beschreibung der Serie. Und ja, das ist irgendwie zutreffend. Die Geschichte beginnt damit, dass der hundertjährige Story Johnson nach einem 25-jährigen Exil in Vietnam wieder in die Staaten zurückkehrt und sich auf die Suche nach seiner Familie macht. Dabei trifft er alte und neue bekannte, wie das ‚Teufelskind‘ Martin, der wegen einem Schul-Aufsatz von seiner ganzen Stadt gejagt wird, oder seinen alten Freund Sheriff John Law, der ebenfalls ein Johnson ist.

Außerdem hat Story noch einen Sohn, von dem er nichts weiß, welcher sich aufmacht, um das sagenumwobene ‚Johnson Place‘ zu finden. Dies ist ein Rückzugsort für den gesamten Johnson Clan, welcher nicht nur aus blutsverwandten Johnsons besteht. Vielmehr ist Johnson ein synonym für einen aufrechten, ehrbaren Amerikaner, weswegen der Clan riesig ist und sich über die gesamten Vereinigten Staaten verteilt. Jedoch verschwinden in letzter Zeit immer mehr Johnsons und Story muss herausfinden, was es damit auf sich hat und was genau sein Vater und sein Bruder Kid Gloves mit der ganzen Sache zu tun haben.

Optik

Optisch ist die Outlaw Nation Serie auf den ersten Blick mit den detailreichen Schwarz-Weiß Zeichnungen von Goran Sudzuka und den vielen Anmerkungen zu Begriffen und der Übersetzung etwas fordernd. Ich muss zugeben, dass mich anfangs die schiere Flut an zusätzlichen Infos etwas gestört hat, aber nach etwas Eingewöhnungszeit war ich doch dankbar dafür, dass viele Begriffe, Begebenheiten und Wortspiele (auch in den Anhängen) ausführlich erklärt werden. Auch das Fehlen von Farben stört nicht weiter und macht im Endeffekt dann doch einen Reiz an dem tollen Artwork der beiden kroatischen Zeichner aus. Mir ist auch ehrlich gesagt, erst im Nachhinein aufgefallen, dass im Laufe der Serie ein Wechsel von Goran Sudzuka zu Goran Parlov als Zeichner stattfindet. Das mag daran liegen, dass beide Zeichner doch schon einen ähnlichen Stil haben, aber wohl viel mehr das Goran Sudzuka weiterhin die gesamte Serie getuscht hat.

Fazit

Der Autor William S. Burroughs meinte einmal „Jeder Mensch ist entweder ein Johnson…oder scheiße! [ ] Ein Johnson kommt seinen Verpflichtungen nach. Sein Wort ist gut und er ist ein guter Mann, um Geschäfte zu machen. Ein Johnson kümmert sich um seine eigenen Angelegenheiten. Er ist kein hochnäsiger, selbstgerechter Unruhestifter. Ein Johnson hilft bei Bedarf.“

Wenn man das erstmal verstanden hat, wird einem klar, dass es sich bei der DC Vertigo Serie Outlaw Nation zwar schon um eine ausgeflippte Familiensaga handelt, jedoch jeder Mensch ein Teil dieser Familie sein kann, außer er ist halt ein Arschloch. Und das ist eigentlich auch die Kernaussage, dieses herrlich abgefahrenen Road-Movie-Comics. Sei ein guter Mensch. Sei kein Arschloch. So sind auch Story Johnson und seine riesige Familie, eine Ansammlung aus schrulligen und interessanten Charakteren, viel mehr als normale Menschen. Es sind die Leute, von denen in Geschichten über gute und anständige Menschen erzählt wird. Sie sind der Stoff aus dem Legenden gemacht werden.

Aber das bedeutet nicht etwa, dass die Serie sich um Nächstenliebe oder so etwas dreht. Explizite Gewalt und nackte Haut gehen Hand in Hand mit Fäkalsprache und derben Humor. Wahrscheinlich ist Outlaw Nation nicht unbedingt für jeden was, wer aber solche Sachen wie Garth Ennis Preacher, oder Warren Ellis Transmetropolitan mag, der könnte durchaus auch an Outlaw Nation Gefallen finden.

Zwar ist der einstieg der Geschichte kurzzeitig etwas sperrig und man brauch ein paar Seiten, um sich zurecht zu finden, jedoch sah ich persönlich darin eine weitere parallele zum ‚Naked Lunch‘ Autor Burroughs und seinem Cut-Off Stil, was mir dann doch sehr gefallen hat.

Wenn man aber dran bleibt, erlebt man eine extrem coole Geschichte über die amerikanische Subkultur und ihrer eigenen Legenden, mit verrückten Ideen und Charakteren, mit hervorragendem Artwork fantastisch in Szene gesetzt.

Wenn ihr also Bock auf Comics abseits des Mainstream habt, schaut auf jeden Fall mal beim Dantes Verlag vorbei.

Empfohlen ab 18 Jahren!

Autor: Jamie Delano

Zeichner:  Goran Sudžuka, Goran Parlov

Inhalt: Outlaw Nation #1-17

Preis: je 17,00 € (25,00 € für die limitierte Hardcover Version)

Erstveröffentlichung: Dezember 2019- November 2020

Format: Softcover 16 x 24 cm, s/w

Seiten: 180, 148, 148

Bildrechte liegen beim Dantes Verlag

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