King Sharks Haikäfig #4

Wenn man Comics von DC liest, so fällt oft auf, dass die Leben der Helden trotz aller Unterschiede eine Gemeinsamkeit haben. Ihr Privatleben ist alles andere als erfüllt. Viele Helden haben Probleme in Beziehungen, mit Finanzen, im Job ihres Alter Egos und und und. Das harmoniert auch mit der Aussage Dan DiDios, seines Zeichens Co-Publisher von DC, von 2013, dass Superhelden kein zufriedenes Leben führen dürfen, weil sie eben das sind: Helden. Das führt zu meiner These:

Superhelden sollten auch privat glücklich werden!

Wie Leser meiner Kolumne wissen, möchte ich aber beide Seiten beleuchten. Deswegen soll vorab erstmal betrachtet werden, ob und wie Dan DiDios Grundgedanke auch Sinn macht und welche Vorteile diese Position bietet.

Glück im Unglück

Rein aus dramaturgischen Aspekten macht DiDios These Sinn. Ein Held, der scheitert, bietet genug Möglichkeiten um seine Geschichte wie von selbst voranzutreiben. Sei es in Form von persönlichen Problemen oder durch Außeneinwirkung von Schurken, beides treibt die Story und den Charakter zu einem gewissen Punkt an. Auch vereinfacht es dem Autor die Arbeit ein wenig, da er sich darauf verlassen kann im schlimmsten Fall den Helden einfach auf die Fresse fallen zu lassen. Rein als dramaturgisches Mittel ist also ein unglücklicher Held eine simple aber effektive Möglichkeit Geschichten zu entwickeln.

Auch die Spannung zwischen Helden- und Zivilperson kann man damit schön hervorheben. Als Held kann ja zum Beispiel alles einigermaßen laufen, dann hat man mit der Zivilistenrolle das nötige Gegengewicht. Das hilft den (selbstlosen) Heldenpart besser darzustellen und der Nachricht, die man mit dem Helden transportieren will, verstärkt Gehör zu verschaffen. Auch kann der Held durch sein nicht funktionierendes Privatleben auch das nötige Feuer und die Motivation finden, um als Held noch besser zu werden und so selbiges wie oben verstärkt darzustellen. Dazu ist eben jener Zwiespalt der Helden auch noch für den Leser interessant, da er jede Geschichte aufs Neue gespannt verfolgt, ob der Held diesmal das Ziel erreicht.

Um es mal ganz zu abstrahieren kann man auch sagen: Ohne Leid oder Unglück kann der Held auch nicht das Glück oder den Erfolg aus anderen Phasen spüren. Dem Helden also ein stetiges Gegengewicht zu geben, ist damit ein durchaus legitimer Grund für DiDios These.

Das gegönnte Glück

Doch wenn man dem Helden dauerhaft einen Knüppel zwischen die Beine wirft, gibt es dann noch Glück? Denn mit Blick auf die Comics, so sieht man, dass die meisten Helden auch in ihrer Ausübung ihrer Heldentaten oft genug zurückstecken müssen. Pyrrhus Siege gegen Schurken, Schuldgefühle und andere Defizite kommen auch hier zur Genüge vor. Da fragt man sich dann zwangsläufig: Muss der private Teil des Helden dann auch eine reine Tortur für den Helden sein? Oder wäre ein Gegenpol dazu nicht geeigneter?

Ich sage mal dreist: nein. Stattdessen wäre es weitaus sinniger eine Balance zu etablieren statt einen Part eines Helden kategorisch zu verdammen. Denn es bietet damit weitere mögliche Handlungsstränge, die der Figur einen frischen Wind geben könnten. Feste Partnerschaften, Ehen, Kinder oder das (schrittweise) Erreichen von persönlichen Zielen, beispielsweise Aquamans Wunsch Land und Meer zu vereinen, könnten den jeweiligen Helden neue Impulse ermöglichen, der nicht zwangsläufig den Charakter stagnieren lässt. Dynamiken der Beziehung oder einer wachsenden Familie können andere und neue Probleme hervorbringen, die man dann nutzen kann. Der Held muss ja nicht von null auf hundert direkt glücklich werden, sondern kann dies in Schritten tun. Vielleicht kann er dies auch nur über Stolpersteine erreichen. Man könnte das an dieser Stelle natürlich beliebig weiter durch exerzieren, aber es sollte klar sein: Ein wenig Glück heißt noch nicht zwangsläufig den Charakter abzuschreiben. Ganz im Gegenteil: Eine Figur entwickelt sich durch Glück ebenso weiter wie durch Leid.

Außerdem kommt noch ein Sinn außerhalb des Inhalts hinzu. Comics werden zur Unterhaltung und zum Teil auch um dem Alltag zu entfliehen gelesen. Da ist es naheliegend, trotz der eventuellen Identifikationsmöglichkeit der Helden durch Probleme, auch mal ein paar Lichtblicke einzustreuen. Denn wenn man 50+ Hefte liest, die alle dem Helden keinen Moment des Glücks gönnen, legt man die auch irgendwann genervt zur Seite.

Fazit

Ganz von der Hand zu weisen ist der Gedanke von Dan DiDios These nicht. Es gibt durchaus Aspekte seiner Sichtweise, die durchaus Sinn machen und einen sehr praktischen Effekt haben. Genauso kann man ihm aber auch einen Strick daraus drehen und das Dauerfeuer an negativen Erfahrungen als repetitiv und zermürbend ansehen. Glückliche Helden sind nicht zwangsläufig langweilig, sondern bieten die Möglichkeit zur Entwicklung und Abwechslung. Aber wie bei so vielem im Leben ist es auch bei diesem Comic-Thema: Eine gute Balance und Dynamik zwischen den einzelnen Seiten könnte mehr bringen als die Versteifung auf eine Seite.

Wie seht ihr das? Möchtet ihr Helden sehen, die dauerhaft zweifeln und dem Schema DiDios folgen? Oder gönnt ihr den kostümierten Rächern auch ein wenig Glück und freut euch mit ihnen, wenn das Leben sie mal belohnt?

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