King Sharks Haikäfig #3

Immer wieder liest man in den sozialen Medien vom Snyder-Cut. Dies ist die angebliche Schnittfassung des Films „Justice League“ von Zack Snyder, die er selbst geschrieben hat und sich von dem Endprodukt so extrem unterscheide. Immer wieder wird diese Fassung aufgegriffen, egal ob von ehemaligen Darstellern wie Jason Momoa, Massen an Fans oder von Snyder selbst. Seit zwei Jahren wird dieses Mystikum, das langsam an das Bernsteinzimmer und ähnliche Mythen erinnert, konstant thematisiert, dass es mich zu einer folgenden generellen These hinreißen lässt:

These: Die Forderung nach dem Snyder-Cut sollte verstummen!

Aber woran ich das festmache? Nun ich will dabei ein paar Teile voneinander abgrenzen. Vorab will ich klären wie ich zu den bestehenden Werken Snyders stehe und weshalb ich ihm gegenüber nicht aus Prinzip wettere. Danach widme ich mich den einzelnen Problemgebieten.  Ich möchte dabei aufzeigen wieso Snyder mit seiner Justice League Fassung nicht der große Heilsbringer ist, wie er allgemein dargestellt wird, und weshalb Hoffnungen in diese Version des Films dem DCEU nicht gerechtfertigt sind.

Das Gegenargument: Die Lichtseiten des Cuts

Ich möchte vorab natürlich mal klarstellen, dass ich nicht aus Prinzip gegen Zack Snyder wettern möchte. Mir gefallen einige seiner Filme sehr gut, wie „Dawn of the Dead“, „Watchmen“ und „Man of Steel“ um ein paar Beispiele zu nennen. Auch „300“ war in meinen Teenagerjahren einer meiner Favoriten. Mir gefiel der Stil Snyders, der mich heutzutage stark an den Paneel-Fluss eines Comics erinnert.

Auch den Snyder Cut an sich will ich nicht komplett verteufeln, auch wenn mir einige Aspekte sauer aufstoßen. So ist mir schon bewusst, dass die Probleme des Justice League Films weder direkt bei Zack Snyder noch bei seinem Nachfolger Joss Whedon lagen, sondern an der Unzufriedenheit der Verantwortlichen von Warner Bros. Studios. Diese stellten sich gegen Snyders Idee einen Zweiteiler zu konzipieren und ließen das Skript umschreiben, weil sie mit dem finanziellen und kritischen Ergebnis von „Batman v Superman“ unzufrieden waren. Solch Unruhe hinter den Kulissen hat natürlich dem Film wahrscheinlich extrem geschadet. Dass Snyders voriger Film davon die Kernursache ist, steht noch einmal auf einem anderen Blatt. Ebenfalls kann ich Fans verstehen, die nach dem durchwachsenen Justice League Film eine weniger stückhafte Version sehen möchten

Aber auch Teile des Snyder Cuts bzw. der ersten Fassung des Film, die immer wieder auftauchen oder von Snyder geteilt werden, locken meine Neugier. Darkseid als großer Antagonist, das Green Lantern Corps, Martian Manhunter, Cyborgs Zerrissenheit: all das sind Aspekte, die ich gern gesehen hätte. Ebenso der Gedanke die Filme nach und nach „aufzuhellen“ und ihre Grundstimmung hoffnungsvoller zu machen, spricht mich an.

Der Zustand: Ist der Cut fertig oder nur Sushi?

Mit dem Sushi sind nicht Aquamans tote Kumpels gemeint, sondern welchem Produktionsstand der Snyder-Cut entspricht. Was feststeht ist: Zack Snyder hat 2016 die Dreharbeiten abgeschlossen und somit gibt es definitiv Bildmaterial. In den ersten Trailer sah man zum Beispiel nicht verwendetes Material von Flash, das es nicht in den finalen Film schaffte. Doch das heißt nicht, dass irgendwo auf einer Festplatte in den Tiefen vom Snyder-Anwesens oder bei Warner Bros. diese Version fertig liegt. Stattdessen kann man davon ausgehen, was mehrere Quellen in unterschiedlicher Weise darlegen.

Mehr als eine unbearbeitete Rohfassung ist der Snyder-Cut nicht. Diverse Seiten berichteten davon, dass Snyder den Film gar nicht zu Ende bearbeitet hat und somit wahrscheinlich mit vielen Greenscreens zu rechnen wäre. Visuelle Effekte und mehr würden der Version fehlen, auch der Soundtrack wäre nicht eingearbeitet worden. Dazu kommt, dass es unterschiedliche Stimmen gibt wie es genau um den Cut steht. Während Snyder selbst nur von ein paar Justierungen redet, meinte Mark Hughes etwas davon es wäre zu 90% fertig und wieder andere gehen davon aus nur mit weiteren 30-40$ Millionen wäre er ansatzweise final. Kevin Smith, einer der großen Befürworter des Cuts, sieht die Version des Cuts nicht als massentauglich an, sondern nur für Leute in der Produktion.

Auch die Stimmen zu dem Cut sind unterschiedlich. Während Familie und Freunde Snyders, darunter auch Jason Momoa, den Cut gesehen haben sollen und begeistert waren, ist es aber fraglich wie objektiv sie waren. Aus den inneren Kreisen von Warner Bros. kommt nämlich ein ganz scharfer Ton, denn jene, die den Film sahen, erachteten den Snyder Cut als „unwatchable“.

Zack Snyders Handwerk und dessen Probleme

Ein großes Problem, das ich an dem Snyder Cut sehe, sind wohl Snyders Fähigkeiten bzw. seine Art Filme zu machen. Viele Werke von Snyder zuvor waren Adaptionen von schon vorliegendem Material. 300, Watchmen, Man of Steel waren zum Teil klare Comicadaptionen und haben ganz von der adaptierten Optik der jeweiligen Werke gelebt. In Watchmen ist es oft genug der Fall, dass Paneele fast 1:1 übernommen worden sind. Bei Dawn of the Dead war Snyder der Regisseur eines Remakes, sodass unter dem Strich nur wenig Originelles von seiner Seite aus kam. Seine originellen Filme hingegen kamen weniger gut bei den Kritikern weg. Und ich glaube auch, dass man das dem Snyder Cut angemerkt hätte.

Die bekannten Elemente des Snyder Cuts klingen soweit ja gut: Darkseid und Apokolips, neue Helden wie Aquaman und Flash, Cyborg, Martian Manhunter, viele weggefallene Charaktere wie Iris West und Vulko. Doch das Problem wäre die Zeit gewesen und es gibt Vermutungen, dass die Laufzeit etwa 214 Minuten (also etwa 3 ½ h) betragen sollte. Also noch mal eine halbe Stunde länger als der Ultimate Cut von „Batman v Superman“. Das Worldbuilding das hier hätte stattfinden müssen, hätte den Film erdrückt und sich wahrscheinlich auf den Fluss der Story ausgewirkt. Ich halte Snyder zwar für einen soliden Regisseur was Adaptionen angeht, aber nicht für solch umfangreiche Epen. Zwar könnte der Cut all diese kleinen Fan-Services unterbringen, aber „Batman v Superman“ hat gezeigt wie wackelig Snyder bei solchen Bereichen agiert. Hier bewies Snyder, dass er zwar vom Grundgedanken Worldbuilding betreiben kann und es an sich gut ist, aber die Story nicht mehr packend genug ist und sich stattdessen in viele Fäden verfranst.

Die Social Media Blase und Firmenentscheidungen

Doch der vehementeste Aspekt ist die Social Media Präsenz dieses Cuts. Der Film kam 2017 in die Kinos und damals war durch den Ausstieg Snyder aus tragischen Umständen dessen Snyder-Cut erstmals thematisiert worden. Durch die generell negative Aufnahme des Justice League Films war bei den Fans die Hoffnung groß, dass diese Version vielleicht besser ist als das Endprodukt. Das ist durchaus nachvollziehbar, aber nicht mehr als reines Wunschdenken. Denn machen wir uns nichts: diese Version wird nie das Tageslicht erblicken. Erstens wäre es finanziell nicht lukrativ den Snyder Cut fertigzustellen, zu bewerben und in den Verkauf zu bringen. Das Zielpublikum ist trotz lauter Social Media Stimme zu klein. Justice League in der Kinoversion war ja schon ein Flop, wieso also für ein kleineres Publikum produzieren. Dazu ist es ein massiver Schlag für das Ego des Medienriesen Warner bzw. AT&T, die damit zugeben würden einen Fehler gemacht zu haben. Und Unternehmen geben das ungern zu.

Doch Snyder hält den Cut durch lose Posts von Ideen oder Storyboards, wie zum Beispiel jüngst die Bestätigung des Martian Manhunter. Dies waren nur Storyboards, keine Kostümproben oder Test-Drehs und somit nichts Handfestes. Das spielt auch in die Aussage von Kevin Smith, der gern über alles Mögliche redet, dass der Snyder-Cut maximal nur ein rohes Produkt für Interne der Produktion war und keines, das man einem Publikum präsentiert. Wenn man sich die monochromatischen Fotos, die Zack Snyder gern teilt, ansieht, hat man auch nie den Eindruck, dass das wirklich fertige Szenen waren. Allein die Szenerie von Darkseid vor den Schiffen im Flashback sieht verdächtig nach Photoshop aus, da die Szene ansonsten identisch mit Steppenwolfs Auftritt ist. Kurzum: der Hype des Cuts wird von Snyders Seite aus wohl auch noch künstlich hochgehalten. Und die Fans steigen darauf ein. Sie klammern sich mit jeder teils verständlichen Hoffnung an eine bessere Version des Films. Mit ihrer #ReleaseTheSnyderCut Bewegung werden sie aber aus oben genannten Gründen nichts bewirken und ist somit nichts als ein Kampf gegen Windmühlen.

Fazit:

Der Snyder-Cut ist und bleibt ein Streitpunkt für viele und ich kann Argumente beider Seiten verstehen. Den Wunsch das eigentliche Produkt zu sehen, das so vielversprechend war, ist auch für mich nachvollziehbar und zu gern hätte ich Figuren wie Martian Manhunter oder Darkseid auf der großen Leinwand gesehen. Doch wenn man sich mal ein wenig kritischer mit den Umständen der Version des Films auseinandersetzt, so merkt man, dass Zack Snyder nicht der große Retter des Films gewesen wäre. Stattdessen sind zu großem Teil eben seine Visionen Ursache der Probleme des finalen Produkts. Schwächen von Snyders Können in „Batman v Superman“ führten erst zur Umstrukturierung der Justice League und könnten das Problem am Ende eigentlich nicht lösen.

Vor allem auch durch die Umstände der Produktion des Cuts und des finalen Produkts wird es auch niemals dazu kommen, dass dieser Cut zu sehen sein wird. Und nach fast zwei Jahren nach Release bzw. drei nach Beendigung der Dreharbeiten sollte man das auch endlich mal akzeptieren und stattdessen jene Filme genießen, die es dafür auf die Leinwand geschafft haben.

Aber wie seht ihr das? Hegt ihr noch Hoffnungen, dass Warner Bros. nachgibt und die Version irgendwann erscheint? Oder schließt ihr euch mir an und begrabt die Hoffnungen auf diese Version?

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