King Sharks Haikäfig #2

Für die nächste Ausgabe dieser Kolumne ist erneut ein recht streitbarer Fall der Auslöser. Genauer gesagt hat Brian M. Bendis in seiner laufenden Superman Reihe den Anstoß dafür gegeben. Medial und von Fans war der Aufschrei groß, dass Jon Kent alias Superboy gealtert ist. Über die Art und Weise sowie Zeitpunkt mag man streiten, doch ich finde das generelle Prinzip dahinter muss man betrachten und bringen mich zu folgender These:

These: Superhelden sollten altern

Das Gegenargument – Nachteile von alternden Helden

Wie zuvor möchte ich mich erst den möglichen Einwänden widmen, bevor ich meine Argumente darlege. Das wohl größte Problem an alternden Helden ist, solange man keinen Reboot durchführt, die schon abzusehende wachsende Historie. Altern Helden, so erleben sie mehr Abenteuer. Mehr Abenteuer bedeuten einen größeren Kanon. Ein größerer Kanon bedeutet sowohl für Autoren größere Recherche und Einschränkungen in der Story sowie geringere Einsteigerfreundlichkeit.  Ich denke diese Kausalkette ist recht einsichtig und kann zu offensichtlichen Problemen führen.

Dazu wird das Element des Alterns selbst noch schwierig. Man muss bei jedem Helden darauf achten wie es ihn betrifft. Batman oder Green Arrow altern normal, aber wie sieht es bei Metawesen wie Flash oder gar Superman aus? Dadurch hat man irgendwann das Problem bei einem 50 Jahre alten Batman einen recht fitten Flash oder Superman danebenstehen zu haben. Wenn man nicht gerade zu Legacy Charakteren greifen will (dazu später mehr), muss man neue Charaktere erfinden, die die Lücke füllen. Was ehrlicherweise zu einer Inflation von Figuren führt.  Dazu müssen Schurken ebenfalls altern und nicht immer würde das der Figur gnädig sein. Ein alter Pinguin, Riddler oder Luthor ist das eine, aber ein zahnloser Killer Croc? Bane mit Bandscheibenvorfällen? Die Rogues als rüstige Rentnerbande? All das wird schon schwieriger.

Alternde Helden sind Gang und Gäbe

Doch haben alternde Helden auch Vorteile und wie soll man sie altern lassen? Dem will ich auf den Grund gehen und habe mir Aspekte angeschaut, die ich als positiv für alternde Helden empfinde.

Das Wie: natürlicher Lauf und andere Kniffe

Wenn man das Projekt von alternden Helden angeht, muss man natürlich zu allererst das „Wie?“ klären. Hier gibt es, wie ich finde, drei Wege das zu erreichen. Der erste und recht offensichtlichste Weg ist der des natürlichen Alterns. Man kann Helden einfach mit der Zeit altern lassen und so vielleicht durch mehrere Phasen des Lebens führen. Das beste Beispiel dafür ist Dick Grayson, der über Jahrzehnte vom jungen Waisen bis zum Erwachsenen begleitet wurde. Natürlich muss man auch erwähnen, dass das ein Weg von etwa 60 Jahren war, aber dennoch sollte man sich diese Variante offen halten. Mit anderen Figuren, vor allem Sidekicks, verfolgt man ja solche Wege häufiger und es funktioniert. Dick Grayson, Wally West, Garth und andere haben damit auch mehr Tiefe bekommen.

Natürlich kann man diesen Schritt auch anderweitig umgehen, denn nicht immer hat man die Zeit eine Figur so behutsam altern zu lassen oder eine so große Spanne abzudecken. Man kann kürzere Zeitspannen der Alterung durch einfache Kniffe wie Kostümwechsel oder Veränderungen von Nuancen im Verhalten durchziehen. So zum Beispiel merkt man bei den meisten Figuren zwischen dem New 52 und dem Rebirth eine kleine aber feine Reifung des Charakters, wodurch sie älter wirken ohne sichtbar gealtert zu sein. Oft wird so der Charakter der Figur einfach ein bisschen abgeändert und lässt ihn erfahrener wirken ohne gleich optisch zu starke Veränderungen zu offenbaren. Selbiges geht auch durch den Zusatz von Nebenfiguren wie Kindern oder Geschwistern. Oder man macht es, wenn auch etwas drastisch, wie bei Superman vom New 52 zum Rebirth und ersetzt den Helden durch eine ältere Version von sich selbst. Das letzte ist zwar nicht die optimalste Lösung, kann aber durchaus funktionieren.

Das Warum: Kreative Vorteile

Doch wieso soll man überhaupt Helden altern lassen? Nun dafür gibt es, wie ich finde, ein paar nennenswerte Argumente. Der wohl offensichtlichste ist, dass mit älteren Helden auch neue Geschichten ermöglicht werden. Ein erfahrener Held geht mit bestimmten Schurken oder Situationen halt anders um als seine jüngere Version, sodass er vielleicht aus Kämpfen und Konflikten andere Schlüsse zieht oder sie anders angeht. Somit kriegt der Held trotz bekannter Situationen neue Impulse und kann Langzeitleser wie Einsteiger ansprechen. Andererseits kann man dem Helden auch andere und neue Geschichten geben, die ihm vorher durchs Alter verwehrt waren. Als bestes Beispiel ist Eltern werden für Helden in solchen Fällen ein gängiges Konstrukt, das genutzt wird. Dies kann man zum Beispiel bei Roy Harper, Superman und Batman sehen, die alle durch Elternschaft neue Impulse bekamen. Aber auch Geschwister wie bei Green Arrow mit Emiko können einen ähnlichen Effekt haben und dem Charakter mehr Tiefe geben ohne direkt Vollgas zu geben.

Unterm Strich kann man sagen, dass durchaus kreative Vorteile für Figuren durch das Altern eröffnet werden. Figuren können trotz bekannter Situationen interessant bzw. frisch gehalten werden und so kann Abnutzungserscheinungen vorgebeugt werden. Auch wird Helden so Entwicklungsspielraum gegeben werden, was Tiefe verleiht und Langzeitpotential ermöglicht.

Fazit:

Ich bin der Meinung, man sollte es begrüßen, dass Helden zu einem gewissen Grad altern. Die Wege um zu diesem Ergebnis gelangen sind vielseitig und schon Teil des kreativen Vorteils, denn hier kann man dem Leser schon neue Ansätze geben. Auch das Resultat ist, vorausgesetzt es wird gut darauf hin gearbeitet, ein Weg Figuren sinnvoll abwechslungsreich zu präsentieren und ihre Halbwertszeit zu verlängern. Wie bei allem Kreativen hängt es natürlich davon ab wie es umgesetzt wird, aber prinzipiell sind alternde Helden ein Gewinn für das Medium Comic.

Welche Haltung vertretet ihr? Möchtet ihr bei Helden einen Alterungsprozess sehen oder wollt ihr lieber Helden in einer Art Zeitblase?

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